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28. Mai – Vernon – Osoyoos

Wir stehen gegen 7:00 Uhr auf und die Sonne strahlt bereits von einem wolkenlosen Himmel. Wir frühstücken ausgiebig und bereiten alles für die Abfahrt vor. Zuvor fahren wir erst noch zum Entleeren der Tanks. Da wir für die letzte Nacht kein Full-Huck-up hatten, gibt es extra eine Leerstation für die Tanks.

Uns fällt auf, dass auf diesem Platz sehr viele Dauercamper sind. Später erfahren wir, dass dies meist Arbeiter sind, die von Stadt zu Stadt ziehen. Manche Menschen wohnen aber auch für immer auf Campingplätzen. Ein Beispiel haben wir von einer Deutschkanadierin in Victoria erfahren, die ständig in einem Motorhome lebt.

Für uns Touristen ist dies natürlich nicht sehr vorteilhaft, werden doch an sehr schönen Orten die wenigen Plätze belegt. In der Vorsaison bekommt man noch einen Platz, aber in der Hauptsaison muss man auf jeden Fall reservieren.

Wir verabschieden uns von unseren holländischen Nachbarn und dann geht es los. Wir fahren zuerst zurück nach Kamloops und biegen dann auf den HW 1 in Richtung Osten. Die Landschaft ist recht karg, wird aber immer wieder von grünen Weiden durchzogen. An der Straße befinden sich aber auch viele Gewerbegebiete und es zeugt davon, dass diese Stadt zu einer Industrieregion gehört. Kamloops hat rund 150.000 Einwohner und gilt als Zentrum der Land- und Forstwirtschaft und wird von der Holzindustrie geprägt. Jane und Jim, die wir in Tofino kennen gelernt haben, wohnen hier. Für eine Besichtigung der Stadt reicht leider die Zeit nicht.

Eigentlich wollten wir uns noch gern Salmon Arms ansehen. Dies wären 50 km mehr zu fahren gewesen. Da aber Norbert stark mit seiner Erkältung zu kämpfen hatte, entschließen wir uns auf den HW 97 in Richtung Vernon abzubiegen.

Die Fahrt führt durch ein hügeliges grünes Land, dass uns etwas an Thüringen erinnert. Hier gibt es sehr viele Rinderfarmen und landwirtschaftliche Nutzflächen. Wir fahren vorbei am Monte Lake mit seinem herrlich blauen Wasser. Die Orte sind sehr gepflegt und man sieht, dass Traditionen gepflegt werden.

Wir fahren vorbei an der O`Keefe Ranch, die wir vor sechs Jahren besichtigt haben. Diese Ranch erlangte Bedeutung, als Cornelius O`Keefe auf die Idee kam, die Rinder hier im Norden zu züchten, anstatt sie aus Oregon zu holen. Die Rinder wurden zur Versorgung der Goldsucher benötigt. Da das Land hier mit Gras bewachsen, das „höher als der Bauch des Pferdes“ war. Deshalb kaufte er Land und begann 1867 ein über 8.000 Hektar großes Rinderimperium aufzubauen. Noch heute sind auf der Ranch sehr gut restaurierte Gebäude, wie das erste Haus des Ranchers, das später nach erreichtem Wohlstand erbaute neue Haus, sowie Kirche, Post, General Store, Schmiede, ein Museum mit Waffen, Sätteln und Kutschen zu besichtigen. Die ganze Ranch vermittelt einen sehr guten Eindruck über das frühere zum Teil recht schwere Leben der Pioniere bei der Besiedelung des Landes.

Wir erreichen Vernon gegen 12:00Uhr und beschließen, unsere Vorräte aufzufüllen und zu tanken. An dem HW 97 finden wir dann auch ein großes Gewerbegebiet. Der Stopp dauerte etwa 1 1/2 Stunden. Vernon liegt am nördlichen Ende des Okanagan Valley. Sie ist die älteste Stadt des Okanagan und von drei Seen umgeben, dem Okanagan, den Kalamalka und dem Swan Lake. Wir fahren nun auf dem HW 97 in südliche Richtung, der nach Vernon hinauf zu einem Aussichtspunkt klettert. Hier hat man einen schönen Blick auf den Kalamalka See, der zurzeit eine Farbe von türkis bis blau hat. Wir genießen die Weiterfahrt an dem See und erreichen Kelowna.   

Kelowna gehört zum “Central Okanagan” und liegt ca. 400 km östlich von Vancouver am Okanagan Lake. Begünstigt durch ein für Kanada außergewöhnlich mildes Klima, mit viel Sonnenschein, einen über 100 km langen See und spektakulärer Berg- und Naturlandschaft ist das Okanagantal eine äußerst beliebte Wohngegend in Kanada. Kein Wunder, dass sich außer vielen Rentnern u.a. auch sehr viele deutschsprachige Europäer am Bodensee Kanadas ansiedeln und einen wesentlichen Anteil am geschäftlichen und kulturellen Leben dieser Stadt haben.

Kelowna ist eigentlich ein Indianerwort und heißt Grizzlybär. In den umliegenden Wäldern gibt es wohl Braunbären, aber keine Grizzlybären. Erst vor ca. 100 Jahren kamen die ersten Europäer in dieses Tal. Sie entdeckten das außergewöhnlich milde Klima mit trockenen, heißen Sommern und milden Wintern. Sehr früh und mit wachsendem Erfolg wurden Obst und Gemüse angebaut. Noch heute ist der Obstbau, und seit einigen Jahren auch der Weinbau von wesentlicher Bedeutung.

Eine Zeitlang schuf auch der Tabakanbau ein wahres Wirtschaftswunder in Kelowna und die Tabakindustrie schuf den Namen “Kelowna Pride” für in Kelowna angebauten Tabak und die daraus hergestellten Zigaretten. Aber die Konkurrenz war groß und die besseren Anbaubedingungen in Ontario ließen diesen Industriezweig langsam in der Versenkung verschwinden. Die einzige Erinnerung an diese Zeit ist die Zigarettenfabrik in der Ellis Street.

Neben der Land – und Forstwirtschaft ist das Dienstleistungsgewerbe von erheblicher Bedeutung. Kelowna ist mit seinen knapp 100 000 Einwohnern zum Zentrum für viele Dörfer und Städte der nahen und weiten Umgebung geworden. Bedeutende Einkaufszentren und eine Anzahl großer und kleiner Geschäfte, ein vorzügliches Krankenhaus und erstklassige ärztliche Versorgung, Schulen und Fachschulen tragen zur Lebensqualität bei. Kelowna’s Flughafen bietet täglich mehrere Direktflüge nach Vancouver, Calgary und Seattle. Über eine meist vierspurige Autobahn erreicht man Vancouver in 4 1/2 Stunden. Der Tourismus hat ständig zugenommen und ist heute Wachstumsindustrie Nr. 1.

An dem HW 97 ziehen sich viele Einkaufszentren entlang und es ist sehr starker Verkehr, den wir sonst von Kanada gar nicht kennen. Wir brauchen fast eine Stunde, um durch die Stadt zu kommen. Außer Supermärkten sehen wir kaum etwas von der Stadt. Dafür hätten wir zum Zentrum abbiegen müssen. Da es uns aber hier zu laut und hektisch ist (wir haben uns schon an die Ruhe in Kanada gewöhnt), fahren wir weiter. Dann erreichen wir die beeindruckende Brücke, die den See überquert und wir fahren jetzt auf der westlichen Seite des Sees in Richtung Süden. Die Straße führt uns nun durch Obstplantagen nach Penticton. In dem Okanagan Lake soll es übrigens ein zweiköpfiges, schlangenähnliches Monster geben. Wir sehen es auf unserer Weiterfahrt jedenfalls nicht.

Auf einem Parkplatz machen wir einen kurzen Halt, um etwas zu essen. Dabei haben wir einen herrlichen Blick auf den See. Anschließend fahren wir weiter auf dem HW Richtung Süden. Vor uns staut sich der Verkehr, etwas Ungewöhnliches für uns auf kanadischen Straßen. Aber es ist eine Baustelle. Hier wurden die Felswände  an der Seite gesprengt für einen vierspurigen Ausbau der Straße. Da das Vorbeifahren an Baustellen in Kanada von Menschen geregelt wird,  ergibt sich, wenn nicht viel Verkehr ist, ein kleiner Plausch, ansonsten ist ein freundliches Zuwinken inbegriffen. Wir brauchen fast eine Stunde, um den Stau hinter uns zu lassen. Bald darauf teilt sich die Straße. Nach rechts geht es zu der Autobahn nach Vancouver ab, wir fahren weiter in Richtung Süden. Der Verkehr lässt gleich stark nach. Jetzt verläuft die Fahrt wesentlich ruhiger. 

Wir fahren über Summerland nach Penticton. Es ist schön, die Gegend einmal wieder zu sehen. Bei Penticton endet der Okanagan Lake und der Shaka Lake beginnt. Wir fahren wieder auf die östliche Seite des Sees. Der Weg führt uns an Felswänden vorbei und wir haben einen schönen Blick auf den See. Plötzlich sehen wir am Straßenrand einen Mann, der uns Zeichen gibt, langsam zu fahren. Schon bald darauf erreichen wir das Stauende. Wir halten an und sehen, dass vor uns ein Unfall passiert ist. Es dauert nicht lange bis die Krankenwagen kommen. Nun heißt es warten, denn eine Ausweichmöglichkeit gibt es nicht. Nach einiger Zeit sehen wir, wie die Menschen vor uns nach oben schauen. Wir holen das Fernglas heraus und sehen, wie eine Wildziegenmutter mit ihrem Jungen auf dem Felsen herum turnt und neugierig das Geschehen auf unserer Straße beobachtet. Eine nette kleine Abwechslung. Der Stau dauert etwa 1 ½ Stunden. Dann können wir weiterfahren und sehen zwei total zerstörte Autowracks. Wir bekommen einen ganz schönen Schreck und denken an die armen Menschen, für die dieser Tag so schlimm geendet hat.

Bald darauf fahren wir durch große Obstanbaugebiete und der Osoyoos Lake kommt in Sicht. Wir kommen jetzt in ein extrem trockenes Gebiet, das nur durch die großzügige Bewässerung fruchtbar ist. Das Land um Osoyoos ist das nördliche Ende des Great Basin, des amerikanischen Wüstengürtels, der bis hinab nach Mexiko reicht. Die Stadt besitzt mit seinen roten Dächern und weißen Häusern ein spanisches Erscheinungsbild. Der Weinanbau ist hier ebenfalls zuhause und es haben sich viele Südeuropäer niedergelassen.

Ich hatte über Google einen Campingplatz direkt am Wasser herausgesucht, leider ist der Hinweis so schlecht, dass wir ihn nicht finden können. Nach einem größeren Wendemanöver entscheiden wir uns für einen Platz in der Nähe des Wassers und nicht so weit vom Ort entfernt. Es ist bereits 18:30 Uhr als wir auf dem Campingplatz Island View RV einchecken für zwei Nächte. Der Stellplatz ist sehr schön, es gehört eine kleine Wiese mit englischem Rasen dazu und wir haben den kompletten Service. Es ist noch angenehm warm. Nur einige Mücken spielen in der untergehenden Sonne. Wir schließen das Wohnmobil an und beschließen wegen der Mücken lieber im Wohnmobil zu essen.

Nach dem Abendessen treffen wir unseren Nachbarn und wechseln einige Worte mit ihm. Dabei stellt sich heraus, dass seine Frau eine geborene Deutsche ist. Es dauert gar nicht lange und sie kommt uns besuchen. Sie stellt sich als Ingrid vor und wir unterhalten uns eine ganze Weile. Wir fragen sie, ob sie weiß, wie man mit der gekauften Telefonkarte telefonieren kann, denn wir haben es immer noch nicht herausgefunden. Sie bietet uns an, dass wir morgen früh mit ihrem Computer telefonieren können, dies koste nur zwei Cent pro Minute. Wir verabreden uns für den nächsten Morgen um 8:15 Uhr. Wir spielen dann noch etwas „Mensch ärger dich nicht“ und gehen um 22:00 Uhr schlafen. Die Erkältung von Norbert ist nun richtig ausgebrochen und wir hoffen, dass es sich dann morgen schon wieder etwas bessert.

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