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27. Mai – Whistler – Lillooet – Kamloops

Wir stehen wie immer gegen 7:00 Uhr auf und die Sonne strahlt bereits von einem blauen Himmel. Einige Wolken sind zu sehen. Da wir in Küstennähe sind, war diese Nacht recht mild. Ich weiß noch nicht genau, wie weit wir heute fahren werden. Unser heutiges Programm ist recht umfangreich und man kann die Zeit dafür schlecht einschätzen. Gegen 8:30 Uhr verlassen wir den schönen Campingplatz. Wir wollen gleich die Auffahrt auf den HW 99 nehmen, der nicht weit vom Campingplatz entlang führt. Leider ist die Auffahrt durch eine Baustelle gesperrt. So fahren wir kreuz und quer durch Squamish. Es ist aber keine Stadt im herkömmlichen europäischen Sinne, sondern mehr eine Stadt mit lauter Einfamilienhäusern und schönen gepflegten Gärten. Der Name des Ortes bedeutet in der Sprache der Coast Salish Indianer „Mutter des Windes“. Er gilt als eines der besten Gebiete für Windsurfing in Kanada. Die Holzindustrie prägt diesen Ort. Hier werden die im Squamish Tal geschlagenen Baumstämme zu riesigen Flößen zusammengestellt und dann nach Vancouver geschleppt.

Nach unserer kleinen „Stadtrundfahrt“ finden wir die Auffahrt auf den Highway 99. Nun geht es weiter Richtung Whistler. Wir fahren vorbei an dem Garibaldi Provincial Park. Dieser Park in hochalpiner Gebirgslandschaft ist für Wanderungen sehr geeignet. Leider fehlt uns hierfür die Zeit.

Wir kommen nun in Richtung Whistler und halten Ausschau nach der Abfahrt zum Olympic Park. Da der ganze Streckenabschnitt eine Baustelle ist, stehen wir des Öfteren im Stau. Dann kommt ein großes Schild, das der Olympiapark geschlossen ist. Da hier eine große Baustelle ist, können wir leider nicht nach rechts abfahren. Traurig streichen wir unseren ersten Programmpunkt von der Liste. Wir quälen uns weiter durch Baustellen bis nach Whistler. Auch Whistler ist mit Baustellen übersät. Wir nehmen die nördliche Abfahrt und finden nach einigem Suchen auch einen relativ großen Parkplatz. Dieser unbefestigte Platz ist schon sehr gut gefüllt. Mit unserem großen Wohnmobil finden wir aber noch ein Plätzchen. Parkgebühren müssen wir nicht bezahlen. Wir machen uns auf den Weg zum Ortszentrum, das nur etwa 300 m entfernt ist.

Die Region um Whistler ist das bekannteste Skigebiet Kanadas. Auf dem Gletscher des Blackcomb Mountains kann man auch im Sommer Skilaufen. Dieser Berg ist 2.284 m und der Whistler Mountain 2.182 m hoch, den man mit Gondeln erreichen kann. Der Ort Whistler ist eine autofreie Zone und man kann zwischen hübschen holzverkleideten Häusern und Hotels flanieren. Es erinnert uns an ein alpenländisches Feriendorf. Jetzt im Frühling wirkt der Ort etwas verlassen, aber im Winter „steppt hier sicherlich der Bär“. Dieser Ort ist dann wahrscheinlich nur für „betuchte“ Bürger erschwinglich.

Wir genießen den kurzen Spaziergang und versuchen zwischendurch mal mit unserer gekauften Telefonkarte nach Hause zu telefonieren. Aber das klappt mal wieder nicht. Das Telefonieren ist zwar sehr günstig, aber eine Wissenschaft. Also verschieben wir es auf ein anderes Mal.

Wir gehen zurück zum Parkplatz und schauen noch einmal zu den Skigebieten hinauf, auf denen dann im Winter die olympischen Wettkämpfe ausgetragen werden. Auf dem Parkplatz hat sich ein anderes Wohnmobil sehr ungünstig neben uns gestellt und wir müssen jonglieren, um aus der Parklücke herauszukommen. Aber ich habe ja schon Erfahrung mit dem Einweisen gesammelt. Nachdem wir es geschafft haben, fahren wir zurück zum Highway 99. Bis zum Ortsausgang quälen wir uns noch durch eine Baustelle. Dann haben wir freie Fahrt. Wir erreichen Pemberton, das in einem sehr schönen Tal liegt, eingerahmt von majestätischen, schneebedeckten Bergen. Da die Strecke bis Lillooet etwa 100 km nur durch Wildnis führt, beschließen wir erst einmal zu tanken. Pemberton ist auch als Kartoffelhauptstadt von Kanada bekannt. Die Land- und die Forstwirtschaft sind hier die Haupternährungszweige.

Wir fahren weiter auf dem HW 99 und durchfahren ein Indianerreservat. Diesen Bewohnern geht es nicht allzu gut, wenn man die Grundstücke mit den vielen Schrottautos und Gerümpel sieht. Aber vielleicht ist dies auch ihre Lebensweise. Einige Häuser und Grundstücke sind aber recht gepflegt. Rechts liegt jetzt der Lillooet Lake, den wir ein Stück entlang fahren. Nun führt die Straße in Serpentinen steil bergauf, der See bleibt unter uns zurück.

Der HW 99 nennt sich jetzt Duffy Lake Road und wurde erst Anfang der 90er Jahre asphaltiert. Ein besonderer Reiz dieser Straße ist der dramatische Klimawechsel auf kurzer Distanz. Über die Serpentinen erreichen wir den Cayoosh Pass mit einer Höhe von 1.275 m. Hier liegt am Rande noch Schnee. Die Straße führt zwischen den Coast Mountains mit ihrem schneebedeckten Bergen hindurch. Nach Überquerung des Passes geht es wieder etwas bergab und man sieht das herrliche Grün des Frühlings am Wegesrand. Es ist eine wildromantische Landschaft die wir durchfahren. Wir halten an einer Parkbucht und nehmen einen kleinen Imbiss zu uns. Dabei eröffnet sich uns ein wunderbarer Blick auf die herrliche Bergwelt.

Bald fließt neben der Straße der Fluss Cayoosh, den wir mehrmals über schmale, teils einspurige Holzbrücken überqueren. Der Fluss fließt mal langsam, dann wieder mit Stromschnellen in Richtung des Tales. Wir fahren weiter bergab und erreichen den Seton Lake. Dieser See hat eine wunderbare blaue Farbe und wird von schneebedeckten Bergen eingerahmt.

Auf einem schmalen Uferstreifen schlängelt sich die Eisenbahnstrecke zwischen See und steiler Bergwand entlang. Wir legen eine kurze Pause am See ein und genießen den herrlichen Blick. Dann fahren wir auf einer kurvenreichen Strecke nach Lillooet. Hier finden wir ohne Probleme einen Parkplatz und machen uns auf den Weg zu dem deutschen Bäcker.

Wir sind wieder beeindruckt von der Westernatmosphäre dieser Stadt. Sie entstand 1858 zur Zeit des Cariboo Goldrausches. Der Ort wurde als Mile 0 bekannt und war damals eine der größten Städte nördlich von San Francisco. Die Lage auf einem Plateau über dem Fraser-River, umgeben von beeindruckenden Bergen ist einmalig schön. Heute ist Lillooet nur noch ein kleines Städtchen, aber die meisten Häuser zeugen von der ruhmreichen Vergangenheit. In diesem Städtchen leben auch noch viele Indianer. Eine Kirche ist als Museum der Ureinwohner ausgebaut. Wir finden den deutschen Bäcker und kaufen Brot und Kuchen. Dieses Mal bedient uns die Tochter, die aber auch nicht viel freundlicher ist, als die Mutter, die wir vor sechs Jahren kennen gelernt hatten. Viele Kanadier sind wesentlich netter und offener uns gegenüber.

Es ist bereits gegen 16:00 Uhr und wir müssen weiter fahren. Die Brücke über den Fraser wird gebaut und wir warten bis der Verkehr freigegeben wird. In Kanada gibt es an den Baustellen keine Ampeln. Der Verkehr wird hier durch Menschen geregelt, die mit Schildern die Fahrt freigeben oder stoppen. Auf dieser Brücke ist es eine junge Frau, die uns freundlich grüßt. Hinter der Brücke gabelt sich die Straße. Eine Strecke führt nach Lytton (HW 12) und die andere nach Cache Creek (HW 99). Wir fahren auf dem HW 99 weiter. Sie führt uns wieder bergauf und wir haben einen herrlichen Blick auf Lillooet. Die Berge werden jetzt kahl und zeugen von großer Trockenheit. Die Straße führt durch die Salbeiwüste. Es ist eine bizarre und faszinierende Landschaft. Uns eröffnen sich tiefe Canyon inmitten einer trockenen, zerklüfteten Bergwelt. Ab und zu fahren wir an einzelnen Ranches und kleineren Orten vorbei. Tief unten im Tal fließt der Fraser River, der für die Bewässerung genutzt wird. Denn nur da, wo bewässert wird, erstrecken sich grüne Weiden.

Die Straße biegt nun ab und führt uns in ein bewaldetes Tal. Hier gibt es wieder grüne und blühende Wiesen. Bald erreichen wir  den wunderschönen Pavillon Lake im Marble Canyon, der von smaragdgrün bis hellblau schimmert. Wir machen einen kurzen Stopp und genießen die herrliche Landschaft.

Die Fahrt führt uns dann durch eine sehr urwüchsige Landschaft. Teils gibt es grüne Wiesen, die Berge sind ab und zu bewaldet, meist aber schroff und kahl. Die Strecke geht bergauf und bergab, an Seen und kleinen Flüssen vorbei. Wir biegen dann vom HW 99 auf den HW 97, der auch als Cariboo Highway bekannt ist, ab und fahren dann in Richtung Süden. An dieser Kreuzung liegt die Hat Creek Ranch, die aber bereits um 17:00 Uhr schließt. Da wir sie erst um diese Zeit erreichen, können wir sie leider nicht besichtigen. Wir fahren weiter nach Cache Creek. Die Landschaft hat einen prärieähnlichen Charakter. Man sieht viele Ranches und kleine Orte, wie aus dem „wilden Westen“. Die Berge sind kahl und zum Teil sehr schroff, die Wiesen haben durch die Bewässerung ein sattes Grün. Wir erreichen nun Cache Creek, den Kreuzungspunkt des Cariboo (HW 97) mit dem Transcanada (HW 1). Der Ort Cache Creek ist ein einfaches Straßendorf, welches von Supermärkten und Motels geprägt ist. Es war früher einmal ein Versorgungsstützpunkt für die „Miners“. Auch heute versorgen sich die Trucks mit dem wichtigsten.

Nun folgen wir dem HW 1 in Richtung Osten nach Kamloops. Die Fahrt geht entlang des Thompson Rivers, durch hügeliges Land. Es ist ein sehr trockener Landstrich, aber hier wird  zum Beispiel auch Ginseng angebaut unter schwarzen Folien. Wir erreichen den kleinen Ort Savona, wo der Thompson River im Kamloops Lake verschwindet. Da es bereits auf 18:00 Uhr zugeht, wollen wir uns einen Campground suchen. Als wir einen Hinweis auf einen Campingplatz sehen, biegen wir von dem HW ab. Leider folgen dann keine Hinweise mehr und wir wenden um zurück zu fahren.

Nun beschließen wir weiter bis Kamloops zu fahren und dort den Campingplatz aufzusuchen, den wir vom letzten Mal kennen. Es sind noch etwa 40 km zu fahren. Die Straße führt nun stetig bergauf, bis wir einen Hügel mit einem Aussichtspunkt erreichen. Hier hat man einen herrlichen Blick auf den azurblauen Kamloops Lake, von dessen Ufern ab und zu ein grüner Flickenteppich der bewässerten Felder heraufleuchtet. Vom HW gehen ab und zu Wege zu Farmen ab, die durch ein Tor mit dem Namen der Ranch führen. Man fühlt sich in den „wilden Westen“ versetzt.

Nun erreichen wir Kamloops, die älteste Stadt von British Columbia. Sie galt schon immer als Versorgungszentrum für die Ranches.  Der Ort ist für sein sonniges und trockenes Klima bekannt. Der Name der Stadt ist indianischen Ursprungs (Cumcloups) und bedeutet „Zusammentreffen der Wasser“. Hier vereinigt sich der North Thompson River mit dem South Thompson River. Der HW 1 führt hoch über der Stadt entlang und man hat einen schönen Blick. Wir nehmen die Abfahrt nach Knutsford (HW 5) in südliche Richtung. Es geht über eine Anhöhe und wir können den Campingplatz bereits in einem kleinen Tal sehen. Wir erkennen, dass er inzwischen „gewachsen“ ist. Wir fahren zur Rezeption und finden sie leider verschlossen vor. Nun wissen wir erst einmal nicht, was wir tun sollen. Als wir so unentschlossen herumstehen, kommt ein freundlicher Kanadier, der seinen Hund spazieren führt, auf uns zu und fragt, ob er uns helfen kann. Wir erklären ihm unsere Lage und er sagt uns, dass wir zum Haus des Besitzers gehen sollten. Da wir nicht wissen wie wir es finden, begleitet er uns.

Wir steigen den Berg hinauf und klingeln an der Haustür. Der Besitzer ist gerade beim Abendbrot und sagt uns, dass wir uns selbst einen Stellplatz suchen sollen und er in einer Stunde kommt, um die Formalitäten zu erledigen. Wir gehen zurück, bedanken uns bei dem freundlichen Kanadier und stellen uns gleich auf den ersten freien Platz, der recht idyllisch liegt. Wir sind gerade dabei das Wasser und den Strom anzuschließen, da kommt die Frau des Platzwartes und sagt uns, dass dieser Platz reserviert ist. Sie zeigt uns einen anderen Platz, der ebenfalls nicht schlecht ist. Wir erledigen die Formalitäten und beginnen dann, uns einzurichten. Unsere Nachbarn sind zwei Ehepaare aus Holland, die zusammen ein Wohnmobil von 25 Fuß bewohnen. Sie sind bereits auf der Rückreise und wir tauschen unsere Erfahrungen aus. Sie bewohnen im Vergleich zu uns, einen sehr kleinen Raum und es herrscht eine etwas angespannte Atmosphäre. Es ist immer günstiger, wenn man pro Ehepaar ein Wohnmobil mietet, damit wenigsten etwa Privatsphäre bewahrt bleibt.

Nun bereiten wir unser Abendbrot vor. Es gibt heute Schnitzel und frisches Brot vom deutschen Bäcker. Es schmeckt sehr lecker. Norbert merkt aber, dass er sich doch eine Erkältung eingefangen hat. Wir versuchen gleich Gegenmaßnahmen einzuleiten und beschließen, den gewonnenen Tag von Vancouver Island dann in Osooyos zu verbringen. Dies ist die wärmste Gegend und wir hoffen, dass Norbert die schlimmsten Folgen auskurieren kann. Die Müdigkeit nach der langen Fahrt meldet sich und wir gehen schlafen. Heute war die bisher längste Fahrt über 400 km. Es war ein sehr ereignisreicher Tag. Wir haben wieder einmal die tollsten Landschaften gesehen, interessante Menschen und Orte kennengelernt.

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