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4. Juni – Cameron Lake – Red Rock Canyon

Als wir gegen 7:30 Uhr aufstehen, stellen wir wieder wie so oft in den letzten Tagen die Heizung an. Ein Blick aus dem Fenster zeigt, dass auch heute die Sonne wieder scheint. Unsere kleinen Lieblinge sind bereits aktiv und auf Futtersuche. An diesem Tag wollen wir uns den Nationalpark etwas genauer ansehen. So fahren wir gegen 10:00 Uhr los, zuerst zur Post und dann in Richtung Cameron Lake.

Der Akamina Parkway  (16 km) führt uns durch dichte Wälder immer bergauf zum See. Doch auch hier geht es nicht ohne Baustellen ab. Es dauert nicht lange und ein Bauarbeiter hält uns mit einem Stoppschild an. Da wir die einzigen sind, ist er froh über etwas Abwechslung und stellt uns wieder die gleichen Fragen. Er erzählt uns, dass er heute Morgen hier schon einem Schwarzbären begegnet ist. Bald darauf können wir weiterfahren. Die Fahrt verläuft jetzt ohne Hindernisse, einen Bären sehen wir aber nicht. Je höher wir kommen, umso mehr Schneereste sehen wir im Wald. Bald darauf erreichen wir den See, der auf einer Höhe von 1.646 Metern liegt. Auch hier liegen noch sehr viele Schneereste.

Aber die Sonne gibt sich große Mühe, die Erde vom Winter zu befreien. Die Temperaturen liegen hier bei ca. 15°C. Vor uns breitet sich majestätisch der See aus. Das im Hintergrund liegende Bergmassiv gehört bereits zur USA. Es führen wunderschöne Wanderwege am See entlang. Wir wollen uns einen kleinen Ausflug gönnen. Leider kommen wir nicht allzu weit, da die Wege im Wald doch noch mit viel Schnee bedeckt sind und wir keine Winterschuhe tragen. Außerdem haben wir auch keine Lust, einen Bären zu wecken. Wie genießen noch einmal den herrlichen Blick auf den See und fahren die Straße zurück.

Unser nächstes Ziel ist der Red Rock Canyon. Wir fahren dazu wieder in Richtung Prärie, bevor wir in die gleichnamige Straße einbiegen. Auf dieser Straße hat man den Eindruck, hier treffen Berge und Prärie aufeinander. Die Landschaft ist wunderschön. An verschiedenen Aussichtspunkten halten wir an, um uns an den aufgestellten Informationstafeln zu informieren und die umliegende Bergwelt zu bewundern. Wir sehen wieder viele gelbe Blumen, die in Büscheln zusammenstehen.

Nach ca. 15 km erreichen wir den Parkplatz des Canyons. Der Red Rock Canyon ist eine durch oxidiertes Eisen intensiv rotgefärbte Sandsteinschlucht. Sie leuchtet in kräftigen Rot- und Brauntönen. Wie eine Wunde der Natur zieht sie sich durch die grüne Landschaft. Über einen schönen Rundwanderweg betrachten wir die Schlucht aus verschiedenen Perspektiven. Wir sind begeistert von der Schönheit, die die Natur hervorbringt. Wir fahren den gleichen Weg zurück und genießen wieder die tolle Landschaft.

Bevor wir zum Campingplatz fahren, wollen wir uns das Prince of Wales Hotel nochmal aus der Nähe ansehen. Wir bekommen an der Straße ein Parkplatz und laufen den kleinen Hügel hinauf. Das Hotel ist eine Mischung aus einem Schloss und einer norwegischen Stabskirche. Es wurde im Jahre 1927 von der Great Northern Railway  erbaut. Besonders schön soll es sein den Sonnenuntergang in der Hotelbar zu genießen. Uns bleibt dies leider verwehrt, da das Hotel zurzeit wegen Renovierung geschlossen ist. Dafür haben wir aber einen wunderbaren Blick auf den Upper Waterton Lake und den Ort Waterton.

Es ist zwar erst 14:30 Uhr, aber wir fahren doch schon zurück zum Campingplatz. Heute soll der Nachmittag mal ruhig verlaufen. Die Temperaturen liegen über 25°C und wir nutzen das schöne Wetter zum Sonnenbaden. Nebenbei beobachten wir wieder unsere kleinen Nachbarn. Da unser Platz so nahe am Ort ist und wir heute „Bergfest“ haben, beschließen wir zur Feier des Tages essen zu gehen. Wir sehen uns die verschiedenen Gaststätten an und bleiben schließlich im Trapper Restaurant hängen. Rot-weiß-karierte Tischdecken und mit Holz verkleidete Wände geben dem Restaurant viel Gemütlichkeit. Wir holen unsere Wörterbücher hervor um unser Essen auszusuchen.

Da kommt die nette Bedienung mit einer älteren Dame an unseren Tisch, die uns auf Deutsch fragt, ob sie uns helfen kann. Sie stellt sich als Isolde vor und erzählt uns, dass sie aus Sachsen-Anhalt stammt und vor 56 Jahren als Kind mit ihren Eltern nach Kanada auswandern musste. Ihr Vater wurde politisch von der Staatssicherheit verfolgt. Um einer zweiten Verhaftung zu entgehen, sind sie am 24.12.53 nach Berlin-Spandau geflüchtet. Ihr Vater sollte am nächsten Tag wieder inhaftiert werden. Den Tipp hatte er von einem Freund bekommen. Es ist schon erschütternd, was es für Schicksale gibt.

Das Restaurant gehörte mal ihr, bevor ihr Sohn  es übernommen hat. Nun hilft sie immer mal aus. Sie erklärt uns verschiedene Gerichte. Norbert entscheidet sich für Beefsteak mit seinem geliebten Kartoffelbrei und ich für Hühnerbrust mit Prärieheidelbeeren (eine Mischung zwischen Heidelbeeren und Preiselbeeren). Dazu gibt es jeweils noch Krautsalat und ein Brötchen. Zum Abschluss trinken wir noch Irish-Coffee.

Nach dem Essen kommt Isolde an unseren Tisch und wir unterhalten uns noch eine ganze Weile. Nach einem herzlichen Abschied von Isolde unternehmen wir noch einen Spaziergang zu dem Wasserfall des Ortes. Auf dem Rückweg haben wir das Gefühl durch einen Tierpark zu spazieren. Überall auf unserem Campingplatz grasen Rehe und Mufflons. Nun lassen wir wieder einen schönen Tag ausklingen bei einem Glas Wein. Morgen müssen wir nun weiter fahren. Der Wetterbericht sagt ab morgen schlechteres Wetter voraus.

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