Cody liegt im Norden des US-Bundesstaates Wyoming, östlich des Yellowstone-Nationalparks. Die Stadt wurde 1896 gegründet und trägt den Namen ihres berühmten Mitbegründers William Frederick Cody, der als Buffalo Bill in die Geschichte einging. Bis heute ist Cody eng mit dem Mythos des Wilden Westens verbunden. Historische Gebäude, Westernläden und die Spuren der Pionierzeit prägen das Stadtbild.

Wir besuchten Cody im Jahr 2014. Wir wollten die Westernstadt kennenlernen, einen Blick in die Geschichte des amerikanischen Westens werfen und vor allem einmal ein echtes Rodeo erleben. Dabei entdeckten wir nicht nur die Main Street mit ihren typischen Geschäften, sondern auch das berühmte Irma Hotel und die Old Trail Town, in der historische Gebäude und Gegenstände aus der Pionierzeit zu sehen sind.

Begleite uns auf einem Rundgang durch Cody – zu den Spuren von Buffalo Bill, in die Welt der frühen Siedler und schließlich zu einem Rodeo, das uns einen lebendigen Eindruck von der Westerntradition Wyomings vermittelte.

Mitten an der Main Street steht das berühmte Irma Hotel, eines der bekanntesten historischen Gebäude Codys. Buffalo Bill ließ das Hotel 1902 errichten und benannte es nach seiner Tochter Irma. Bis heute erinnert das Haus an den Mann, der Cody gründete und den Mythos des Wilden Westens weit über die Grenzen Wyomings hinaus bekannt machte.

Wir betreten das Hotel und finden uns in einer Welt aus dunklem Holz, schweren Möbeln und Erinnerungsstücken an den Wilden Westen wieder. Jagdtrophäen hängen an den Wänden, historische Bilder erinnern an vergangene Zeiten, und im Restaurant sitzen Gäste an rot gedeckten Tischen. Auch die Bar gehört zu den Räumen, die den besonderen Charakter des Hauses ausmachen.

Wir schauen uns in Ruhe um und kehren schließlich auch zum Essen ein. Unser Salat steht auf dem Tisch, während wir die Atmosphäre des alten Hauses auf uns wirken lassen. Es ist ein schöner Zwischenstopp auf unserem Rundgang durch Cody – denn hier begegnet uns die Geschichte nicht nur hinter Glas, sondern in einem Hotel, das bis heute genutzt wird.

Das Irma Hotel ist damit mehr als ein Fotomotiv an der Main Street. Es ist ein Stück lebendige Stadtgeschichte und erinnert an Buffalo Bill, dessen Name bis heute untrennbar mit Cody verbunden ist.

Ein Spaziergang durch die Main Street von Cody gehört einfach dazu, wenn man die Stadt kennenlernen möchte. Zwischen historischen Fassaden reihen sich Geschäfte aneinander, die ganz auf den Geschmack des amerikanischen Westens eingestellt sind. Besonders auffällig sind die Westernläden, in denen sich alles findet, was das Herz eines Cowboys höherschlagen lässt.

Wir stöbern in den Auslagen und staunen über die Vielfalt: Neben Cowboyhüten, Stiefeln und Westernkleidung gibt es Sättel, Ledertaschen, Schmuck und allerlei Accessoires. In anderen Geschäften werden regionale Spezialitäten, Soßen, Marmeladen und kleine Mitbringsel angeboten. Manche Läden gleichen kleinen Museen, denn zwischen den Waren stehen Figuren, Bilder und Dekorationen, die den Wilden Westen lebendig werden lassen.

Uns macht es Spaß, durch diese Geschäfte zu bummeln und die vielen ungewöhnlichen Dinge zu entdecken. Hier geht es nicht nur ums Einkaufen – die Läden gehören zum besonderen Flair von Cody und erzählen auf ihre eigene Weise von der Westerntradition Wyomings.

Am westlichen Rand von Cody, unweit des Rodeogeländes, liegt Old Trail Town. Das Freilichtmuseum entführt seine Besucher in die Zeit der frühen Siedler, Cowboys und Pioniere Wyomings. Die historischen Gebäude stammen aus unterschiedlichen Orten des Bundesstaates und wurden hier wieder aufgebaut, um die Geschichte des amerikanischen Westens zu bewahren.

Ins Leben gerufen wurde Old Trail Town 1967 von Bob Edgar, einem Historiker und leidenschaftlichen Bewahrer der Geschichte des amerikanischen Westens. Bei seinen Erkundungen erkannte er, dass viele alte Gebäude verlassen waren und allmählich verfielen. Er begann, solche historischen Hütten zu retten und auf dem Gelände wieder aufzubauen. Was mit einer einzelnen Blockhütte begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer bemerkenswerten Sammlung historischer Gebäude und Gegenstände.

Die Häuser stammen aus unterschiedlichen Orten Wyomings und erzählen von den Menschen, die einst in dieser rauen Landschaft lebten und arbeiteten. So entstand nach und nach ein Freilichtmuseum, in dem die Geschichte des Wilden Westens nicht nur in Vitrinen gezeigt wird, sondern unmittelbar erlebbar ist.

Als wir Old Trail Town besuchen, ist der Parkplatz am Morgen noch fast leer. Wir zahlen acht Dollar Eintritt pro Person und betreten die historische Straße, an der sich die vielen alten Gebäude aneinanderreihen.

Jedes Haus hat seinen eigenen Charakter. Besonders interessant finden wir die Hütte von Curley, einem Crow-Indianer, der als Scout an Custers Expedition teilnahm. Auch die übrigen Gebäude geben Einblicke in das Leben der damaligen Zeit. Man kann sich gut vorstellen, wie hier einst Siedler, Händler und Handwerker ihrem Alltag nachgingen.

In einem größeren Gebäude entdecken wir zahlreiche Kutschen und andere von Pferden gezogene Fahrzeuge. Ein Museum zeigt Kleidung und Gegenstände aus dem Leben der Ureinwohner und der ersten Siedler. Natürlich darf auch ein Saloon nicht fehlen, der an die Atmosphäre der alten Westernstädte erinnert.

Eine der Hütten zieht unsere besondere Aufmerksamkeit auf sich: Curley’s Cabin. Sie gehörte Curley, einem Angehörigen des Volkes der Crow, der als Scout an der Expedition von General George Armstrong Custer teilnahm.

Curley überlebte die berühmte Schlacht am Little Bighorn am 25. Juni 1876, bei der Custer und zahlreiche seiner Soldaten ums Leben kamen. Er gehörte zu den Crow-Scouts, die die Schlacht überstanden, und überbrachte die Nachricht von der Niederlage.

Die historische Blockhütte stand ursprünglich auf der Crow-Reservation im Süden Montanas. Als Bob Edgar Old Trail Town aufbaute, wollte er solche Gebäude vor dem Verfall bewahren. Die Hütte wurde an ihren ursprünglichen Standort abgebaut, nach Cody gebracht und dort wieder zusammengesetzt. So blieb ein Stück der Geschichte erhalten, das andernfalls möglicherweise verloren gegangen wäre.

Wir schauen uns die Hütte genauer an. Im Inneren entdecken wir einfache Möbel, einen Ofen und verschiedene Alltagsgegenstände. Die alten Holzwände und die schlichte Einrichtung vermitteln uns einen Eindruck davon, wie Curley hier gelebt haben könnte.

Für uns ist es etwas Besonderes, nicht nur eine nachgebaute Westernhütte zu sehen, sondern ein historisches Gebäude, das tatsächlich mit einem Menschen verbunden ist, der diese bewegte Zeit selbst erlebt hat.

In einem weiteren Ausstellungsbereich widmen wir uns der Kleidung und dem Alltag der amerikanischen Ureinwohner. Hinter Glas sind zahlreiche Kleidungsstücke und kunstvoll gestaltete Gegenstände ausgestellt. Neben traditionellen Gewändern entdecken wir auch Stücke, die Einflüsse der Mode der weißen Siedler erkennen lassen.

Besonders die traditionelle Kleidung der Ureinwohner beeindruckt uns. Mit teilweise einfachen Materialien und Werkzeugen entstanden erstaunlich kunstvolle Arbeiten. Farbenfrohe Muster, aufwendige Verzierungen und sorgfältig ausgeführte Perlenarbeiten zeigen, wie viel Geschick und Kreativität in diesen Kleidungsstücken steckt. Was auf den ersten Blick schlicht wirken mag, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als detailreiche Handwerkskunst.

Wir nehmen uns Zeit, die verschiedenen Exponate zu betrachten. Die Ausstellung vermittelt uns einen Eindruck von der kulturellen Vielfalt und dem handwerklichen Können der Menschen, die lange vor den weißen Siedlern in dieser Region lebten. Für uns ist dieser Teil des Rundgangs besonders interessant, denn er lenkt den Blick auf eine Seite der Geschichte des amerikanischen Westens, die neben den bekannten Geschichten von Cowboys und Pionieren leicht in den Hintergrund gerät.

Die Gangster im wilden Westen

Ein besonderes Gebäude in Old Trail Town ist der Rivers Saloon. Er wurde 1888 von Henry Rivers am Wood River westlich des heutigen Meeteetse errichtet. Cowboys, Trapper und andere raue Gestalten des amerikanischen Westens kehrten hier ein. Zu den bekannten Gästen zählte auch Butch Cassidy, der berüchtigte Outlaw, dessen Name bis heute mit dem Wilden Westen verbunden ist.

Das historische Foto zeigt mehrere bekannte Männer jener Zeit: den Sundance Kid, Ben Kirkpatrick, Butch Cassidy, Will Carver und Kid Curry. Ihre Namen stehen für eine Epoche, in der sich Legenden und historische Tatsachen oft miteinander vermischten. Der Rivers Saloon war einer jener Orte, an denen sich Cowboys und Outlaws begegneten.

Im Inneren schauen wir uns um. Die kräftig roten Wände, die dunkle Holztheke, die alten Tische und Stühle sowie die Jagdtrophäen verleihen dem Raum einen ganz eigenen Charakter. Auf einem Tisch liegen Spielkarten, und auch ein altes Klavier gehört zur Einrichtung. Man kann sich gut vorstellen, wie hier einst Gäste zusammensaßen, Karten spielten und Geschichten austauschten.

Der Saloon wurde nach Old Trail Town versetzt und bewahrt dort ein Stück der Geschichte Wyomings. Beim Betrachten der Einrichtung fällt es leicht, sich in die Zeit zurückzuversetzen, in der solche Saloons wichtige Treffpunkte in abgelegenen Siedlungen waren.

Wir benötigen fast eineinhalb Stunden, um alles in Ruhe anzusehen. Die Gebäude und Ausstellungsstücke sind ausführlich beschriftet, und überall merkt man, wie viel Mühe in die Gestaltung gesteckt wurde. Hier wird Geschichte mit viel Liebe zum Detail bewahrt.

Unser Rundgang durch Old Trail Town ist eine Reise in eine längst vergangene Zeit. Statt nur alte Gegenstände zu betrachten, bekommen wir einen Eindruck davon, wie unterschiedlich das Leben in Wyoming am Ende des 19. Jahrhunderts gewesen sein muss.

Das Rodeogelände ist gut zu erreichen, und auch an Parkplätzen mangelt es nicht. Wir können schon bald die Arena betreten und suchen uns Plätze auf der Nordtribüne, von wo aus wir das Geschehen hoffentlich gut verfolgen können. Vorsichtshalber haben wir uns warm angezogen und eine Decke mitgebracht. Zwar ist es trocken, doch ein frischer Wind weht über das Gelände.

Norbert hat allerdings schon bald wieder einmal Pech mit seinem Sitznachbarn: Ein ausgesprochen großer und kräftiger Mann lässt sich direkt vor ihm nieder und versperrt ihm die Sicht. Also bleibt Norbert nichts anderes übrig, als eine Etage höher zu ziehen, um doch noch etwas von der Show mitzubekommen.

Dann beginnt das Rodeo. Die amerikanische Nationalhymne erklingt, und eine Reiterin schwenkt mit der Nationalflagge durch die Arena. Anschließend werden die Teilnehmer vorgestellt. Auch der Rodeo-Nachwuchs ist schon dabei – hier steht ein kleines Mädchen mit den erwachsenen Cowboys in der Arena.

Nun geht es richtig los! Die Cowboys zeigen ihr Können, reizen die Bullen und versuchen, sich möglichst lange auf den Rücken der kräftigen Tiere zu halten. Beim Bullenreiten wird es besonders spannend. Doch für die meisten Reiter ist der Ritt schon nach wenigen Sekunden vorbei, und sie landen unsanft im Sand der Arena. Kaum hat sich der Staub gelegt, beginnt die nächste Runde.

Zwischendurch gibt es auch unfreiwillige Pausen: Mancher Bulle denkt gar nicht daran, die Arena freiwillig zu verlassen. Dann ist ein Reiter gefragt, der das widerspenstige Tier mit dem Lasso einfängt und wieder in die richtige Richtung lenkt.

Das Geschehen wechselt zwischen Spannung, überraschenden Wendungen und amüsanten Momenten. Für uns ist es eine interessante Erfahrung, dieses typisch amerikanische Spektakel einmal live mitzuerleben. Wir haben einen Einblick in eine Tradition bekommen, die zum Leben im amerikanischen Westen gehört. Ob wir dafür zu begeisterten Rodeofans werden, sei dahingestellt – gesehen haben sollte man es aber durchaus einmal.

Cody hat uns noch einmal gezeigt, wie lebendig die Geschichte des amerikanischen Westens hier geblieben ist. In Old Trail Town sind wir in die Zeit der Trapper, Siedler und Cowboys eingetaucht. Beim Rodeo konnten wir anschließend erleben, wie eine der bekanntesten Traditionen des Westens bis heute gepflegt wird.

Die Stadt trägt den Namen ihres berühmtesten Gründers, William Frederick „Buffalo Bill“ Cody. Westernflair, historische Gebäude und die Nähe zu den weiten Landschaften Wyomings machen sie zu einem besonderen Zwischenstopp auf unserer Reise.

Mit vielen Eindrücken verlassen wir Cody und setzen unseren Roadtrip durch den amerikanischen Westen fort. Hinter uns liegen Geschichten aus der Pionierzeit, Begegnungen mit der Welt der Cowboys und ein Rodeoabend, den wir so schnell nicht vergessen werden.

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1 Kommentar zu „Cody“

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