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29.04.2018 – Fahrt in den Yosemite NP

Gegen 5 Uhr ist die Nacht wieder zu ende, denn Mike hat den Abfahrtstermin auf 7 Uhr festgesetzt. Er steht aber bereits 10 Minuten früher vor der Tür und drängelt. Dann geht es los und er jagt wieder vorn weg, als sei der Teufel hinter ihm her. Auf der I-99 geht es Richtung Norden. Dann biegt er auf einmal ab und hält auf dem Parkplatz eines Einkaufscenters. Irgendetwas stimmt mit seinen Rädern nicht, er hat auf jeden Fall ein Signal bekommen. Er zieht seine Reifen fest und dann geht es weiter.

Er lässt sich in der Geschwindigkeit aber nicht davon beeinflussen. Es geht vorbei an vielen Obstplantagen und Rinderfarmen. In Fresno biegen wir ab in Richtung Yosemite NP. Die Landschaft wird hügeliger und grüner. In Coarsegold tanken wir noch einmal, hier ist es verhältnismäßig preiswert. Der Code von Mike funktioniert bei uns wieder nicht. Norbert geht mit Gladys in die Tankstelle. Man gibt ihm nur Benzin im Wert von 30$ und das für ein Wohnmobil. Norbert ist richtig sauer. Mike springt ein und wir tanken für 40$ auf seine Kreditkarte voll. Er bekommt das Geld gleich cash von uns.

Dann geht es weiter zum Südeingang des Parks. Es geht zum Teil steil bergauf. Im Vorfeld hatte ich Mike gefragt, ob wir denn auf seiner geplanten Route auch Mammutbäume und Sequoias sehen. Er meinte, diese gibt es im Yosemite NP. Na dann wollen wir mal sehen. Nach dem Parkeingang geht es ca. 30 Meilen in Kurven zum Valley. Die Kurven überwiegend schräg ausgebaut. Mike fährt wieder mit großem Tempo voraus. In einer Kurve habe ich Angst, dass sein Trailer umkippt. Aber dann ist er unseren Blicken entschwunden und wir lassen ihn fahren.

Zwischendurch lassen wir immer mal wieder die PKW vorbei, wenn sich eine Schlange hinter uns gebildet hat. Die Fahrt führt auch durch Wald, der vom Feuer heimgesucht wurde. Alles sieht sehr traurig aus.

Man kann nur hoffen, dass sich die Natur bald wieder erholt.

Kurz vor Einfahrt in das Tal muss ich mit Gladys die Plätze tauschen, da die Reservierung von uns auf ihren Namen läuft. Ich nehme Kamera und Fotoapparat und setze mich zu Mike. Ich filme zwischendurch immer mal wieder und nun kommen die hochaufragenden Felswände des Valleys in Sicht. Ganz plötzlich stoppt Mike an einem Aussichtspunkt und stellt sich vor die parkenden Autos. Ich sehe Norbert nur noch vorbeischlingern, da er keinen Platz mehr hat und ebenfalls stoppen wollte. Mir wird himmelangst, dass ihm etwas passiert. Er kann sich gerade noch fangen und hält ein ganzes Stück weiter an. Mike ist inzwischen verschwunden und fotografiert fleißig. Ich mache wenigsten einige Fotos und Filmaufnahmen, bevor es weiter geht.  

Mike spricht dann in das Funkgerät und ich höre nur meinen Namen und Movies. Norbert erzählt mir dann, dass Gladys ihm gesagt hat, dass ich unbedingt anhalten wollte, um zu filmen. Aber Norbert kennt mich und widerspricht dem vehement. Ich hatte im Vorfeld kein Wort gesagt.

Auf der Weiterfahrt kommuniziert Mike ständig mit Gladys. Er sagt mal linke Spur fahren, dann rechte Spur fahren. Es geht ständig hin und her. Ich frage mich, was das soll, das Navi zeigt schon an wohin es geht und Norbert weiß, wie man fahren muss. Norbert meint später, er hätte sie am liebsten rausgeschmissen.

Dann erreichen wir den Campingplatz. Mike muss gleich wieder ein Schwätzchen mit dem Ranger halten, während Gladys unaufhörlich in das Funkgerät quatscht. Am liebsten hätte ich es ausgemacht. So habe ich mir diesen Tag wirklich nicht vorgestellt mit diesem Stress und der unnötigen Hektik.

Schließlich beziehen wir unsere Sites. Wir haben gerade eingeparkt, da steht Mike schon wieder vor der Tür und sagt, dass wir in 30 Minuten losfahren. Ich versuche noch zehn Minuten raus zu handeln, aber er bleibt hart. Wir richten uns ein, trinken eine Kleinigkeit und essen auf die Schnelle eine kalte Bockwurst, da wir bereits vor sieben Stunden gefrühstückt haben. Die sechsstündige Fahrt hat ebenfalls geschlaucht.

Bereits 10 Minuten vor Abfahrt steht Mike mit seinem Jeep vor unserem Womo. Wir wechseln noch schnell die Kleidung, denn hier ist es wesentlich kühler. Mike ist schon ungeduldig und ich beklage mich bei ihm über den Stress. Er braust dann los und nach kurzer Zeit stehen wir schon im Stau. Es dauert fast eine Viertelstunde bis es weiter geht und Mike trommelt ungeduldig aufs Lenkrad.

Ich frage ihn inzwischen, ob es bei den 26 $ Campingplatzgebühren bleibt, oder ob noch Reservierungskosten dazukommen. Wir profitieren dieses Mal von ihrer Seniorenkarte und bezahlen nur die Hälfte nach der Rechnung, die sie uns zugeschickt haben. Da lässt Mike eine Schimpftirade los und sagt, dass es 26$ pro Nacht kostet. Er wirft uns vor, dass er im Death Valley viele Meilen mit uns gefahren ist und das der Diesel sehr teuer ist. Zum Glück verstehe ich nicht alles. Gladys versucht von hinten ihn zu beruhigen. Dabei haben wir ihm gesagt, dass wir uns an allen Kosten beteiligen.

Die Stimmung ist nun getrübt. So hatte ich mir unseren Besuch im Yosemite nicht vorgestellt. Nach dem wir wieder fahren können, werden nun alle Punkte im Valley angefahren, ausgestiegen, fotografiert und weiter geht es. Mike ist wie entfesselt, klettert hoch wenn es möglich ist, steigt halsbrecherische Pfade nach unten um seine Fotos zu machen. Ich sehe, wie zwei jüngere Männer ihm nachschauen und nur den Kopf schütteln.

Die Natur ist eigentlich so wunderschön, aber irgendwie kann man das gar nicht genießen. Nach ca. dreieinhalb Stunden sind wir zurück und Mike ist wie ausgewechselt und lädt uns zu einem Bier ein. Norbert geht alleine, denn ich muss nun erst Mal meinen Knien eine Ruhepause gönnen. Dieses ständige ein- und aussteigen bei dem Jeep fordert seinen Tribut. Außerdem ist mir überhaupt nicht nach freundlichen Small Talk.

Wir sollen wieder zum Abendessen kommen, es gibt Rippchen, Reis und Salat. Es schmeckt sehr gut. Mike ist wieder lustig und kaspert rum. Ich kann aber nicht einfach so umschalten und alles vergessen. Wir geben ihnen das Geld für den Campingplatz, er will aber nun doch nur die 26$ von der Rechnung. Wir vereinbaren, den morgigen Tag getrennt zu verbringen. Die Beiden können eine größere Wanderung machen und sich austoben. Gegen halb neun heben wir die Runde auf und gehen zu unserem Wohnmobil zurück. Was mir auffällt ist, dass neben uns die Plätze nicht von Campern belegt sind, obwohl doch alles voll sein sollte. Na dann auf einen geruhsamen morgigen Tag.    

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