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22. Mai – Butchart Gardens – Victoria 

Ich werde das erste Mal gegen 3:00 Uhr morgens wach. Mir ist furchtbar kalt und ich ziehe mich erst mal warm an. Leider haben wir keine zusätzlichen Decken von Cruise Canada bekommen. Nach etwa einer Stunde schlafe ich wieder ein.

Um sieben Uhr sind wir bereits wach, die Sonne scheint von einem wolkenlosen Himmel und es ist angenehm warm. Das Frühstück bereiten ist noch nicht so einfach. Da wir keinen Toaster haben, versuchen wir das Brot, das sehr weich ist, in dem Mikrowellenbackofen zu rösten. Einigermaßen gelingt uns dies auch. Schließlich können wir doch an diesem Tag ein ordentliches Frühstück zu uns nehmen. Anschließend wasche ich ab, dabei merke ich dass wir keinen Stöpsel für den Abfluss haben. Dieser wird dann gleich auf der nächsten Einkaufsliste vermerkt. Da wir vom letzten Mal wissen, wie sehr das Geschirr während der Fahrt klappert, beginne ich gleich die Teller, Gläser und Schüsseln im Bett zu verstauen. Norbert beginnt inzwischen mit dem Abbau der Leitungen.

Gegen 9:30 Uhr fahren wir in Richtung Fähre. Es sind nur wenige Kilometer. Wir wollen nach Swartz Bay übersetzen. Diese Richtung steht allerdings nicht auf dem Terminal und ich bin im Moment verwirrt. Schließlich sehen wir Victoria und nun wissen wir, dass wir richtig sind.

Der Fährpreis richtet sich nach der Länge des Wohnmobiles. Zum Glück ist heute noch kein Wochenende, denn sonst müssten wir noch einen extra Zuschlag zahlen. Wir bezahlen 135 CAD (entspricht 86 Euro) für die ca. zweistündige Überfahrt. Leider bekommen wir auf der gerade vor Anker liegenden Fähre keinen Platz mehr und müssen etwa ein halbe Stunde warten. Dafür stehen wir aber  in der ersten Reihe. Auf der Fähre reihen wir uns wieder unter die LKW.  Die Überfahrt beginnt um 11:00 Uhr. Auf der Fähre gibt es viele verschiedene Aufenthaltsräume, man kann Mittagessen, dem Glücksspiel verfallen, für die Kinder gibt es Spielecken oder man kann sich einfach nur auf dem Deck sonnen. Diese Fährverbindung ist landschaftlich die schönste. Die Strecke  führt durch die schöne Inselwelt  der Gulf Islands.

Auf den Inseln sieht man große Flächen von blühendem Ginster, der einen schönen Kontrast zu dem frischen Grün des Frühlings und zu dem blauen Meer bildet. Zwischen den Inseln muss die Fähre zum Teil ganz schön jonglieren, um in der Fahrrinne zu bleiben. Ab und zu begegnet uns eine andere Fähre, die in die entgegengesetzte Richtung fährt. Um 13:00 Uhr legen wir im Hafen von Swartz Bay an und alle begeben sich wieder zu ihren Autos. Das Be- und Entladen der Fähre ist sehr gut organisiert. Alles klappt wie am Schnürchen. Wir fahren erst einmal den Autos hinterher und kommen dann wieder auf den HW 17, der sich hier auf der Insel fortsetzt.

Er ist vierspurig ausgebaut und führt uns in Richtung Victoria. Bei Saanich biegen wir zu den Butchart Gardens ab. Dies ist eine Nebenstrecke, die nicht so stark befahren ist. Es geht durch hübsche kleine Orte. Nach einer halben Stunde erreichen wir den Parkplatz von der wahrscheinlich schönsten Gartenanlage Nordamerikas.

Wir zahlen 52 CAD Eintritt einschließlich Parkgebühren. Da es bereits weit nach Mittag ist, gehen wir erst einmal in das Blue Poppy Restaurant zum Mittagessen. Dieses Restaurant kennen wir noch vom letzten Mal und es hat sich nicht  sehr verändert. Es ist sehr schön gestaltet mit vielen Blumen und Grünpflanzen. Es hat viele kleine Nischen und Ecken; der Raum ist durch eine Glasdecke lichtdurchflutet. Wir wählen einen Salat aus Spinatblättern mit Schinken und Ei. Anschließend trinken wir noch einen Kaffee und essen je ein Cookie. Alles schmeckt sehr lecker.

Nun machen wir uns auf den Weg, um die Schönheiten dieses Gartens zu genießen. Wie wir später erfahren, hat der Frühling in Westkanada etwa vier Wochen Verspätung. Deshalb blühen die vielen Blumen und Bäume fast gleichzeitig. Man weiß gar nicht, wo man zuerst hinsehen soll.

Die Gartenanlage ist 22 Hektar groß und das ganze Jahr über geöffnet. Diese Gegend um Victoria zählt zu den vom Wetter verwöhntesten in Kanada. Durch das Küstengebirge werden die meisten Regenfälle abgehalten. Im Winter herrscht ebenfalls ein mildes Klima und es gibt kaum Frosttage. Der erste Garten wurde 1904 von Jennie Butchart angelegt. Sie beschloss, den ehemaligen Steinbruch zu verschönern, der durch das Zementgeschäft Ihres Ehemannes entstanden war. Es war der versunkene Garten, der heute zu den Hauptattraktionen der Anlage zählt. Seit über einem Jahrhundert widmet sich die Familie Butchart schon der Gartenbaukunst. Jedes Jahr besuchen fast eine Million Besucher diese herrliche Anlage. Im Jahr 2004 wurden die Butchart Gardens zur National Historic Site Kanadas ernannt.

Die fünf Hauptbereiche, der Versunkene Garten, der Rosengarten, der Japanische Garten, der Italienische Garten und der Mediterrane Garten sind durch herrlich gepflegte Rasenstücke und verschlungene Pfade verbunden. Über 50 Gärtner arbeiten ganzjährig daran, die Gärten in ihrer Schönheit zu erhalten. Fast eine Million Pflanzen werden jedes Jahr gesetzt um sicherzustellen, dass die Gärten von März bis Oktober in voller Blüte stehen. In den restlichen Monaten können Besucher Pflanzen mit bunten Beeren und die eindrucksvollen Formen der Büsche und Bäume bewundern.

In dem versunkenen Garten lernen wir zwei Kanadierinnen kennen, die aus Stuttgart und der Schweiz nach Kanada ausgewandert sind. Sie sind auf einer Kreuzfahrt nach Alaska. Die Kreuzfahrtschiffe werden wir dann in Victoria von unserem Campingplatz vor Anker liegen sehen. Sie erzählen uns einiges über das Leben und die politischen Verhältnisse in Kanada. Wir unterhalten uns recht lange, müssen dann aber aufbrechen, um noch möglichst viel von der Anlage zu sehen. Wir gehen an wunderschön hergerichteten Blumenrabatten entlang. Kleine Teiche und bewachsene Felsen runden das Bild ab. Blühende Bäume säumen die Wege. Alles ist farblich gut auf einander abgestimmt. Schließlich können wir auf einen tiefer liegenden See blicken, der in der Mitte von einem riesigen Springbrunnen geziert wird. Dieser Springbrunnen ist wie eine Symphonie. Die Fontänen zeigen ständig andere Bilder und Formen. Nachts wird er farbig angestrahlt. Leider haben wir keine Zeit, solange zu warten.

Nur ungern verlassen wir den versunkenen Garten. Wir gehen weiter in Richtung Rosengarten, vorbei an aufgestellten indianischen Totempfählen. In den letzten Jahren wurde ein Feld angelegt, von wo aus Feuerwerke stattfinden. Wir erreichen die Rosengärten, wo allerdings zu dieser Jahreszeit noch keine blühenden Rosen zu finden ist. Dafür gibt es viele Blumenampeln bepflanzt mit Stiefmütterchen an der Rosenpergola. An den Seiten blüht der Rhododendron in vielen verschiedenen Farben. Der Weg führt uns weiter zu dem japanischen Garten. Der japanische Garten ist vielfach geprägt durch verschiedene Bäume und Pflanzen, die auf eine schöne Weise zu einem Ensemble zusammengefügt sind. Kleine Bäche und Springbrunnen ergänzen dieses Bild. Der Garten grenzt an eine schöne romantische Bucht des Pazifischen Ozeans. Der Rundgang führt uns jetzt zu einer Anlage, die sich Star Pond nennt. Dieser Garten wurde erst in den letzten Jahren angelegt, denn im Jahr 2003 gab es diesen noch nicht. Ein sternförmig angeordneter Springbrunnen bildet den Mittelpunkt. Er ist umrahmt von einer Vielzahl von Blumen. Gleich daneben ist der italienische Garten, der ein eigenes Flair ausstrahlt.

Leider müssen wir nun Abschied von den wunderbaren Butchart Gardens nehmen. Uns hat es wieder sehr gut gefallen. Nun geht die Fahrt in Richtung Victoria. Es ist bereits Feierabendverkehr und die Straßen sind recht voll. Im Westen können wir das Küstengebirge sehen, das wir in den nächsten Tagen durchqueren wollen.

Nun kommt mir meine genaue Routenplanung mit den Straßennahmen aus dem Internet zu Hilfe. So finden wir sehr gut den Weg zu unseren Campingplatz in West Bay Marina Village. Wir sehen, dass der Platz bereits sehr voll ist. Wir wollen hier zwei Nächte bleiben. Der Platzwart fragt uns, ob wir reserviert haben. Dies müssen wir verneinen. Zum Glück hat er noch einen Stellplatz, dieses Mal allerdings nicht am Wasser. Wir sind trotzdem glücklich, dass wir unsere Pläne nicht ändern müssen. Nachdem wir unser Wohnmobil angeschlossen haben, unser Geschirr wieder in den Schränken verstaut ist, machen wir einen Rundgang über den Platz. Wir sehen, dass auf dem Wasser wieder viele neue und sehr schöne Häuser entstanden sind. Von einem Aussichtspunkt haben wir einen wunderbaren Blick auf Victoria. Zwei große Kreuzfahrtschiffe liegen hier auf Reede. Ein Kanadier macht uns auf eine Robbe aufmerksam, die am Ufer immer mal wieder auftaucht. Er sagt uns, dass in der Nähe eine ganze Robbenfamilie lebt.

Auf dem Rückweg zu unserem Platz sehen wir viele sehr große Wohnmobile, die wahrscheinlich Dauercampern gehören. Eines dieser Wohnmobile so groß wie ein Bus mit Slide-Out-Einrichtung, haben wir vor sechs Jahren in dem Verkaufsraum bei Travelland gesehen.

Zurück im Wohnmobil machen wir unser Abendbrot. Wir braten Gehacktes und lösen damit gleich mal unsere Alarmanlage aus. Dies wird uns in den nächsten Wochen noch öfters passieren. Nach dem Öffnen der Fenster und Türen, verstummt sie nach einiger Zeit. Anschließend lassen wir den schönen Tag Revue passieren und gehen gegen 21:30 Uhr schlafen. In der Nacht wird es wieder recht frisch und wir schalten die Heizung ein.

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